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Hintergrund

Mario Di Carlo
Mario Di Carlo

Mario Di Carlos Filme sind immer wieder auch Porträts seiner Heimatstadt Mannheim. Orte und Menschen zeigen eine Stadt der Vielfalt, eine Stadt in Bewegung. Zwischen Rhein und Neckar ist alles in Fluss – die Quadrate-Stadt lebte und lebt von denen, die hierher „kommen, um zu bleiben.“ Der amerikanische Ingenieur, der einmal Bauamtsleiter des ehemaligen US-Standorts war; die italienischen Arbeitsmigranten der ersten Generation, die im Mannheimer Polizeisportverein ihre Boccia-Kugeln werfen; der spanische Weinhändler, der beim „Goggelrobberfest“ im Stadtteil Seckenheim mitarbeitet. Auch der deutsche Kriegsheimkehrer mit dem unverkennbar schwäbischen Akzent. Manche bereisen die ganze Welt, bevor sie sich in Mannheim niederlassen, wie der Sandhöfer Friseur Filippo. Andere kommen gerade erst in Mannheim an und lernen hier deutsch, wie Svetlana und Bogdan. Mario Di Carlo stellt sie uns vor, in Freundes-Paaren, Freundes-Trios und Freundes-Gruppen – Di Carlos Protagonisten erzählen aus ihrem Leben, und sie erklären uns, was Freunde wert sind.

Freundschaften sind das Thema dieses Films, die Freundschaften von Männern und Frauen, Kindern und Jugendlichen, Menschen aus allen Generationen, aus verschiedensten Kulturen, Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften dieser Welt. Schon die Grundschüler aus der Neckarstadt haben enge und engste Freunde und erklären uns sehr anschaulich, warum sie auf ihre Freunde nicht verzichten können. Jeweils drei Jugendliche aus der Jungbusch-Theatertruppe „Creative Factory“ und aus der „First Ukulele Band Filsbach“ sind so eng miteinander verbunden, dass sie „alles“ voneinander wissen und sich auch aus der Ferne – Handy sei Dank – in jeder Lebenssituation untereinander austauschen. Freunde sind eben unentbehrlich und wenn einem das Schicksal nur eine kurze Zeit in Mannheim vergönnt, dann heißt es: ganz schnell „Freunde machen“. Wenn der älteste Mitwirkende aus seiner Zeit als Kriegsgefangener erzählt, dann wird klar: Freunde können einem das Leben retten.

Erst auf den zweiten Blick erfasst der Zuschauer, was eben auch ein Thema dieses Films ist: Viele dieser Freundes-Kombinationen überwinden Grenzen der verschiedensten Art. Männer und Frauen können Freunde sein, aber auch Spanier und Griechen, Jugendliche mit türkischem und lateinamerikanischem Hintergrund, Kinder jeder Nationalität sowieso. In einer Stadt, die sich Offenheit, Toleranz und Vielfalt auf die Fahnen schreibt, sind „Freundschaften über Grenzen hinweg“ ein wichtiger Grund dafür, dass Zusammenleben (meistens) klappt, in guten wie in schlechten Zeiten. Der Schüler Umut bringt es auf den Punkt: „Ich hab schon mal einen Freund gefunden, der mag kein Pfannkuchen mit Nutella, aber ich lieb Pfannkuchen mit Nutella und der ist immer noch mein Freund!“.

Mit vier Projekten unter dem Titel „Mannemer sein“ ergründet Mario Di Carlo, Filmemacher und Medienpädagoge bei medien+bildung.com, die Seele der Menschen in seiner Stadt. 2011 entstand der erste Dokumentarfilm unter dem Titel „Mannemer sein“. 2012 arbeiteten Di Carlo und das Team von medien+bildung.com unter dem Titel „360 Grad im Quadrat“ in Workshops mit Jugendlichen unterschiedlichen Hintergrunds an den Themen Identität, Zugehörigkeit, Teilhabe, Zukunftsplanung. Öffentliche Aktionen fanden z. B. beim „Nachtwandel“ im Stadtteil Jungbusch und auf dem Mannheimer Maimarkt statt. Im Mittelpunkt von „Mannemer sein 3 – Say it loud!“ (2013) standen Medienprojekte, die ausgrenzenden Haltungen und Verhaltensweisen entgegenwirken. Mit den teilnehmenden Jugendlichen und Multiplikatoren/innen entwickelten die Medienpädagogen/innen fünf Medienkampagnen. Zum Thema „Mannemer Freundschaften“ veranstaltete medien+bildung.com 2014 einen Videowettbewerb (die Preisträger Ali, Saman, Tarkan, Melisa und Dashurie von der Johannes-Kepler-Werkrealschule Mannheim werden im Rahmen der Filmpremiere von „Freundschaften“ geehrt). Der ebenfalls 2014 gedrehte neue Film „Freundschaften – kommen um zu bleiben“ hat am 9. Juni 2015 im Atlantis Kino Mannheim Premiere und wird im Laufe des Jahres 2015 für die Bildungsarbeit zur Verfügung stehen.

Mario Di Carlo wurde als Sohn italienischer Einwanderer 1970 in Mannheim geboren, er wuchs zweisprachig auf, studierte Politische Wissenschaft, Italianistik und Medien- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Mannheim und Regie an der Dokumentarfilmschule Zelig in Bozen (Italien). Er ist seit 2001 als Regisseur tätig und arbeitet als Medienpädagoge für medien+bildung.com.

Die Projektreihe „Mannemer sein“ findet seit 2011 im Rahmen des Mannheimer Aktionsplans für Toleranz und Demokratie statt und wird im Rahmen des Bundesprogramms „TOLERANZ FÖRDERN – KOMPETENZ STÄRKEN“ gefördert. Der Mannheimer Aktionsplan für Toleranz und Demokratie (MAP) ist ein städtisches Programm, um den unterschiedlichen Formen der Herabsetzung entgegenzuwirken und ein von Vielfalt, Offenheit und Respekt geprägtes Zusammenleben in Mannheim zu stärken. Das Bildungsunternehmen medien+bildung.com gGmbH, in der rheinland-pfälzischen Schwesterstadt Ludwigshafen zu Hause, ist die „Produktionsfirma“ resp. der Träger für die Projektreihe, die 2014 mit „Mannemer Freundschaften“ in die vorerst letzte Runde ging.

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